Öffne die Augen und schau hinaus in die Welt voller ZEICHEN & WUNDER. Es gibt viel zu entdecken. Sieh hin. Halte inne. Staune. Und lass die Welt hineinkommen zu Dir.
Sagt ein Bild mehr als tausend Worte?
Oder kann auch ein Wort ein ganzes Bild beschreiben?
Probier es aus.
Auf Reisen schauen wir anders. Natürlich wollen wir „Sehenswürdigkeiten“ aufsuchen und bestaunen (oder manchmal auch enttäuscht abhaken).
Wir nehmen uns mehr Zeit zum Schauen. Da gibt es Neues zu entdecken, Unbekanntes zu erforschen.
Wien / 2026
Mach Deinen Tag zu einer Reise. Schau hin. Mach Fotos. Male ein Bild. Nimm einen schönen Stein in der Hosentasche mit nach Hause.
Was ist für Dich sehens-würdig?
Was nimmt Deinen Blick gefangen?
ZEICHEN & WUNDER
Zeichen
Ein Zeichen zeigt auf etwas. Es ist ein Stellvertreter und transportiert die Informationen, für die es steht. Ganze Geschichten können sich dahinter verbergen. Und sie begleiten uns auf Schritt und Tritt.
Zeichen können viele Formen haben und meist sind sie uns gar nicht bewußt, weil wir sie selbstverständlich nutzen. Oft fällt uns ein Zeichen erst auf, wenn wir es nicht deuten können, es nicht verstehen.
Welche Zeichen entdeckst Du auf Deinen Wegen?
Warum verstehst Du sie?
Welche Information steckt dahinter?
Wunder
Ein Wunder kann man (sich) nicht erklären. Es ist immer außergewöhnlich. Es lässt sich nicht planen, vorhersagen oder bestellen. Ein Wunder macht froh und weckt unsere Neugier. Es läßt uns staunen und staunen ist einfach etwas Wunderbares.
Wunder überraschen. Sie holen uns aus dem Alltäglichen. Vielleicht halten wir einen Moment inne, fragen uns verwundert „Was ist denn das? Ist das nicht wunderschön?“
Wann hast Du Dich zuletzt gewundert?
Worüber hast Du gestaunt?
Was findest Du wunderbar?
Steht ein Mann auf der Straße...
Ein Mann steht außer Hörweite auf der anderen Seite einer Straße und gibt seiner Frau Zeichen. Er zeigt nach rechts, führt ein paar Mal die Finger einer Hand zum Mund und zeigt dann mit Nachdruck nach links, macht eine kreisende Bewegung mit der Hand, zeigt auf seine Armbanduhr, auf der es kurz vor 12 Uhr ist und bewegt dann beide Hände so als würde er ein Lenkrad bewegen.
Die Frau versteht „Ich hol noch schnell beim Bäcker was zu essen und komm dann zum Auto.“ Auch sie gibt ihm Zeichen, indem sie nickt und dann den Daumen nach oben streckt. „Ich habe verstanden. Gute Idee.“
Dieser Mann ist im Urlaub in einer fremden Stadt und spricht die Landessprache nicht. In der Bäckerei zeigt er auf die belegten Brötchen, die er haben möchte und nickt als die Verkäuferin noch einmal darauf deutet bevor sie sie einpackt. Damit er weiß, was er bezahlen muss, schreibt ihm die Frau hinter der Theke den Preis auf einen Zettel. Beide lachen als Zeichen ihrer Freude, dass die Kommunikation so gut funktioniert hat. Als der Tourist den Laden verlässt und zum Abschied winkt, steht die Fußgängerampel auf rot und er weiß natürlich, dass er stehen bleiben sollte, um nicht überfahren zu werden.
Als er bei seiner Frau ankommt, sitzt sie bereits am Steuer – meist ein Zeichen ihrer Ungeduld – und zeigt auf das Verkehrsschild. Sie hatten die Parkuhr eingestellt und da sie nur eine Stunde stehen bleiben dürfen, müssen sie los. Die Frau setzt den Blinker. Ein anderer Autofahrer hubt und gibt ihr dann Lichtzeichen als er versteht, dass sie vorhat, herauszufahren. Sie reiht sich gemäß der Bodenmarkierung ein und nimmt die Abbiegespur mit dem Pfeil auf dem Boden.
Der Mann findet im Navi ihr nächstes Ziel, das mit einem roten Symbol gekennzeichnet ist und zeigt der Frau an, dass sie rechts abbiegen soll. Die Fahrerin orientiert sich an den Verkehrszeichen und Hinweisschildern und als sie den Kreisverkehr verläßt, deutet sie auf ein Werbeplakat und der Mann versteht sofort, dass sie das Logo einer Cafeteria entdeckt hat, die sie unterwegs ansteuern wollen …. usw.
Die Geschichte könnte ewig so weitergehen.
Wie viele Zeichen hast Du gefunden?
(Ich finde 31)
Sitzt eine Frau auf einer Bank ...
Sie sei wunderlich, sagen die Leute. Die alte Dame kommt bei schönem Wetter jeden Tag in den Park. Auf dem Kopf trägt sie einen Hut und in dem Hut sitzt ein zerzauster Papagei. Der ist nicht echt. Obwohl. Für die alte Dame schon. Sie nennt ihn Oskar und spricht mit ihm. Manchmal wirft sie Erdnüsse in die Luft im festen Glauben, dass Oskar sie fängt und frisst. Meist regnen die Erdnüsse zurück auf ihren Hut, worüber sie kichert. „Hast wohl keinen Hunger, alter Freund.“ Aber vielleicht tut sie auch nur so, als sei sie verrückt.
Die alte Dame schiebt einen altmodischen Kinderwagen vor sich her. Er war einmal rosa, hat aber mittlerweile Farbe und Form eingebüßt. Das macht nichts. In dem Wagen steht ihre Handtasche, in dem die wichtigsten Utensilien verstaut sind, wozu der Hausschlüssel, ein wenig Kleingeld für Eis und ein Päckchen Taschentücher zählen. In dem Kinderwagen finden sich außerdem Luftschlangen, ein Fläschchen Seifenblasen, ein Kaleidoskop, Obst, eine Trinkflasche, Kinderbücher, eine ganz kleine Drehorgel, die „Für Elise“ spielt, wenn man kurbelt, ein Liebesbrief und allerlei andere Nützlichkeiten.
Sie sitzt also auf der Parkbank und lächelt. Ein etwa 11-jähriger Junge steht am Rand der Wiese vor der Parkbank und sieht Kindern beim Fußballspielen zu. Die alte Dame tippt ihm auf die Schulter und zeigt neben sich auf die Bank, der Junge nimmt Platz. Sie gibt ihm einen Apfel. Da sitzt er nun und schweigt. Er kann reden, aber nur in einer anderen Sprache. Deshalb schweigen beide. Sie sehen zusammen den Kindern zu. Die Frau kramt in ihrem Kinderwagen. Als erstes holt sie die kleine Drehorgel heraus. Dann gibt sie dem Jungen das Kaleidoskop in die Hand. Es tut ihm gut, da zu sitzen, nichts reden zu müssen, „Für Elise“ zu lauschen und dabei mit dem Kaleidoskop in den Himmel zu schauen.
Die Dame hebt die Hand und zeigt dem Jungen eine Meise im Baum. Der kleine Vogel hüpft von Ast zu Ast, fliegt weg, setzt sich wieder, pickt irgendetwas Fressbares auf. Die Beiden auf der Bank blinzeln gegen die Sonne, die durch das Laub scheint. Der Wind bringt die Blätter in unterschiedlichen Grüntönen zum Tanzen. Was für ein Frieden. Von der großen Wiese vor ihnen dringt Kinderlachen herüber. Ein paar Jungs und Mädels spielen Fußball, verhandeln über Regeln und feiern lautstark ihre Torerfolge.
Plötzlich steht sie auf und geht quer über die Wiese auf die Kinder zu. Sie wissen nicht, ob sie weglaufen sollen, ob sie mal wieder geschimpft bekommen, weil sie „zu laut“ sind. Ein Junge sagt „oh, die Verrückte, die hat einen Vogel.“ – „Ganz recht, Rotzlöffel“, sagt die alte Dame „das ist Oskar. Gib mir den Ball.“ Der Junge zögert, will den Ball nicht rausrücken. Ein Mädchen nimmt ihm den Ball aus der Hand und gibt ihn der wunderlichen, alten Frau, die ihn vor ihre Füße legt, eine Trillerpfeife aus der Jacke holt und kräftig hineinbläst. „Anpfiff!!!“ ruft sie und schießt den Ball immer wieder ein Stück vor sich her. Nach und nach trauen sich die ersten Kinder, das Spiel aufzunehmen, kicken hin und her, spielen der Frau den Ball zu. Sie ist komplett außer Atem, grinst aber über das ganze Gesicht. Wieder bläst sie in ihre Trillerpfeiffe und ruft „Spielstopp. Mitkommen.“ Sie klemmt sich den Ball unter den Arm, maschiert auf die Parkbank zu und bleibt vor dem Jungen stehen. Die anderen Kinder sind ihr gefolgt und stehen nun im Halbkreis um sie herum. Sie holt aus ihrem Kinderwagen eine Tüte Kekse, drückt sie dem Jungen, der sie als verrückt bezeichnet hat, in die Hand und sagt „Mein kleiner Freund hier spielt jetzt mit euch mit. So Abmarsch, ich brauch eine Pause.“ Die Kinder trollen sich. Von der großen Wiese vor ihr dringt Kinderlachen herüber. Ein paar Jungs und Mädels spielen Fußball, verhandeln über Regeln und feiern lautstark ihre Torerfolge.
Sie sei wunderlich, sagen die Leute. „Aber die tut keinem was.“ Doch tut sie. Sie macht froh, sie unterbricht das Gewohnte, sie beschenkt Andere mit ihrer Wunderlichkeit.